Karaokeliebe

"Eine Karaokeband? Ich?" Ungläubig schaute ich meine beste Freundin Livia an. Sie tickte doch wohl nicht mehr ganz richtig. Wenn einer es hasst auf einer Bühne zu stehen, dann ja wohl ich. " Na ja, nur für einen Monat der so", versuchte sie mich zu beschwichtigen. Jetzt war ich völlig verwirrt. " Und was soll das bringen?", wollte ich wissen.
Plötzlich fing sie an zu strahlen. " Ich habe dir doch von Max erzählt und dass er Ehrenamtlich im Jugendhaus arbeitet.", fing sie an zu erklären , " und die suchen da jetzt eine Karaokeband!" Daher wehte also der Wind. Max!
Natürlich hätte ich ihr super gerne geholfen, aber musste es denn gleich die Karaokeband sein? " Ich weiß nicht…", sagte ich deshalb etwas unschlüssig. " Du weißt doch, dass ich es hasse in der Schule vor unserer Klasse zu stehen, von einer Bühne ganz zu schweigen!", versuchte ich sie dazu zu bringen, mich doch aus der Sache rauszulassen. Aber Livia hatte sich das in den Kopf gesetzt und was sie sich in den Kopf setzt, lässt sie sich nicht so einfach rausreden. " Ach Tally, so schlimm ist das doch gar nicht. Wir müssen nur ein bisschen singen und tanzen. Das wirst du ja wohl hinbekommen!" Hey, was soll das denn bedeuten wollte ich rufen, doch beließ es einfach dabei. Sie fuhr fort: "Er muss irgendwie auf mich aufmerksam werden und ich kann ihn ja schlecht ansprechen und einfach sagen: Hey, ich bin Livia und ich wollte dich schon immer mal kennen lernen!" Ja, wieso eigentlich nicht. Also musste ich wohl oder übel mitmachen. Doch dann fügte Livia noch ein Detail hinzu, dass mich nicht weniger milde stimmte. " Ach, es wird übrigens ein öffentliches Casting geben."

Am nächsten Tag, stand ich mindesten 2 Stunden vor dem Spiegel. Nicht, das ich unbedingt super toll aussehen wollte, sonder ich wollte einfach üben wie ich mich am besten auf dieser Bühne präsentiere. Auf jeden fall würde mich ganz nach hinten stellen, sofern das möglich war. Um 16:00 Uhr machte ich mich auf den Weg zu Livia. Als mich ihre Mama hineingelassen hatte und ich in Livias Zimmer ging, stand sie dort immer noch in Unterwäsche.
" Was, bist du noch nicht fertig?", fragte ich sie etwas geschockt, weil ich nicht zu spät kommen wollte. Das wäre mir wahrscheinlich noch peinlicher gewesen, da plötzlich einfach rein zu schneien. " Ich weiß einfach nicht, was ich anziehen soll!", sagte sie verzweifelt. Ich verdrehte die Augen. War das echt ihr größtes Problem? Ich ging zu ihrem 2 Meter hohem und 3 Meter langem Schrank um ihr beim aussuchen zu helfen. In diesem Schrank mit den endlos vielen Klamotten, von denen mindesten 30 Stück allein für Partys und besondere Events und Anlässe waren, war es normalerweise, nein, war es unmöglich nichts zu finden. Ich nahm eine schwarze Röhrenjeans und ein hübsches weiß-rot geblümtes Top und warf es ihr vor die Nase. " Hier!" Sie begutachtete es sehr kritisch und befand es dann für gut. Sie brauchte zwar noch ungefähr 20 Minuten um sich zu schminken, aber dennoch kamen wir ein Glück noch pünktlich. Als wir in den großen Jugendclub kamen mussten wir erst mal den Raum suchen.
Doch der war gut ausgeschildert, sodass wir ihn schnell fanden. Als wir hinein kamen, quiekte Livia los und zeigte auf einen Jungen mit blonden Haaren und blonden Augen. Aha, das war also der tolle Max. Er sah zwar gut aus, aber ich interessierte mich eher für seinen Komparsen, der neben ihm stand. Ein Junge mit etwas verpeilten dunkelbraunen Haaren und grünen Augen. Livia ging schnell nach vorne und trug uns als Kandidat ein. Es waren ziemlich viele Leute da, was mich beruhigte, denn da war die Chance gering als erster ranzukommen. Um 17 Uhr ging es dann los. Zuerst kam ein Mitarbeiter des Clubs nach vorne und hieß alle herzlich willkommen. Es gab Applaus und Maria, so stellte sie sich vor, rief den ersten Kandidaten auf. Wieder gab es Applaus, doch niemand ging zur Bühne. " Tally, du bist dran", sagte Livia und schubste mich nach vorne. Ziemlich unsicher lief ich nach vorne. Ich merkte wie mir sofort die Röte ins Gesicht schoss. " Welchen Song willst du singen?", wollte Maria von mir wissen. Weil ich nicht antwortete sondern nur auf die vielen Menschen glubschte wiederholte sie ihre Frage.
" Ähm… One Life von James Morrison." Maria tippte etwas in ihren Computer und lächelte mir ermutigend zu. Nun war ich ganz allein auf der Bühne. Vom weiten sah ich wie der Junge mit den braunen Augen mich interessiert anschaute. Als er meinen Blick sah, erwiderte er ihn und schaute mir tief in die Augen. Oh man was für Augen, dachte ich und musste plötzlich an eine Katze denken. Genau, wie eine Katze. Ob sie auch in der Nacht leuchten, fragte ich mich als die Musik begann aus den Lautsprechern zu dröhnen. Ich verpatzte meinen Einsatz nicht, obwohl ich das gedachte hätte. Ich sang einfach und versuchte mir die Leute nackt vorzustellen. Doch bei dieser Vorstellung musste ich kichern, als ließ ich es lieber. Als der Song zu Ende war, brach schallender Applaus aus, doch ich nahm das alles nicht so richtig war. Etwas benommen lief ich auf meinen Platz zurück. " Wow, du warst der Hammer!", flüsterte Livia mir begeistert in mein Ohr. Ich nickte nur und schaute zu dem Katzenjunge.
Nach mir kamen noch vier andere bevor Livia dran war. Sie machte es eher schlecht als recht, was sie gar nicht zu stören schien. Sie strahlte über das ganze Gesicht als sie sich neben mich setzte. Ich folgte ihrem Blick und sah das sie natürlich den blonden Jungen anlächelte. Und er lächelte zurück. Wenigstens hatte sie bekommen was sie wollte, dachte ich zufrieden.

Als die Jurymitglieder sich beraten gingen wurde das Buffet für die Zuschauer und Mitwirkenden eröffnet. Ich hatte ziemlichen Hunger, was auch an meiner Nervosität hätte liegen können. Ich ging also zum Buffet, nahm mir einen Teller und patsche eine große Kelle Kartoffelsalat rauf. Danach nahm ich mir noch zwei Würstchen und ein Stück Brot. Leider war der Teller ein wenig zu klein, für diese Menge und ein Klecks Kartoffelsalat, platschte auf meine neue Jeanshose. " Mist!", fluchte ich und versuchte es mit meiner Hand wegzuwischen, doch es sah nicht wirklich besser aus. Ich wollte mir eine Serviette nehmen um noch das Beste daraus zu machen, doch ich hatte wohl den Teller ziemlich schräg gehalten, das alles gefährlich nach links flutschte. Glücklicherweise hatte das der Junge mit den grünen Augen bemerkt und kam mir zur Hilfe. Er nahm mir den Teller aus der Hand und gab mir ein Taschentuch. " Danke", sagte ich etwas nervös. " Kein Problem, kleiner Tollpatsch!" " Hey!" Ich boxte ihm spielerisch gegen den Arm. Uups… Ich kannte ihn doch gar nicht. Verlegen schaute ich nach unten. Eine blöde Angewohnheit von mir. " Du hast super gesungen!", sagte er plötzlich und schaute wieder hoch. " Im Ernst?", wollte ich wissen. " Klar!", versicherte er mir. " Ich bin übrigens Adam!", fügte er noch hinzu. " Chantal", sage ich kurz. " Schöner Name finde ich" " Na ja, ich mag ihn nicht so. Deswegen nennen mich alle Tally!", erklärte ich ihm und nahm mir meinen Teller und Besteck. " Komm wir setzten uns an den Tisch", schlug Adam vor und deutete auf einen Tisch in einer Ecke. Ich nickte und wir schlugen uns durch die Menge. Als wir uns an den Tisch setzten packte ich mir einen großen Haufen auf meine Gabel und schob ihn mir in den Mund. " Und wie lange singst du schon", fragte er mich. Ich schluckte einen großen Brocken hinunter und antwortete: " Das war das erste mal das ich vor Publikum gesungen habe. Und das eigentlich auch nur wegen meiner Freundin!" Apropos Livia. Wo steckte sie eigentlich? Ich reckte meinen Kopf in die Höhe und sah sie mit dem Jungen. " Wer war denn deine Freundin?", wollte er nun wissen. " I will always love you…", sagte ich und lächelte schief. Er lächelte zurück. Oh man, so viel gelächelt heute. Und außerdem habe ich auch noch so ein komisches Gefühl im Bauch, das nicht weggehen will. Ob das an Adam liegt. In diesem Moment kam die Jury von ihrer Beratung wieder und reif alle Kandidaten nach vorne. "In die Karaokeband haben es geschafft: Louisa!" Beifall brach aus und ein Mädchen mit kurzen braunen Haaren lief fröhlich von der Bühne. " Und Johanna!" Wieder brach Beifall aus und ich hatte das Gefühl, dass es sogar mehr war als bei Louisa. " Und auch noch Franca!" Wieder Beifall. Jetzt ging es um die Wurscht. Obwohl ich mich zuerst ziemlich dagegen gesträubt hatte, war ich jetzt noch nervöser als vorher. Ich wollte es unbedingt!" Und die letzte ist: Chantal!" Tosender Applaus brach aus und ich konnte gar nicht anders als zu lächeln. Wow… Mich.. mich wollten die haben. Auch wenn es nur eine kleine Karaokeband war, fand ich das schon ziemlich stark. Ich ging mit puddinghaften Knien von der Bühne und automatisch auf Adam zu. " Super!" rief er mir entgegen und nahm mich in die Luft und drehte mich. Ich lachte ihn an und er lachte ihn an. Uups, da war wieder dieses Gefühl in meinem Magen. Er umarmte mich noch mal und flüsterte: " Schöne Chantal…" Dann drückte er mich leicht weg um mich dann wieder ran zu ziehen. Und dann küsste er mich. Einfach so! Aber es war echt schön…

von Kira Lina

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